Was ist die Sommerstadt?

Sommerstadt - die Hochheimer Kinderspielstadt

Eigentlich ist die „Sommerstadt“ eine Stadt wie jede andere. Die Stadt hat 320 Einwohner, es gibt eine beliebte Pizzeria, unverschämte Taxifahrer, die grundsätzlich zu schnell fahren und ab und zu mal einen Banküberfall. Es gibt eine Lokalzeitung, die beherzt gegen Missstände anschreibt, einen TV-Sender, der jeden Nachmittag die aktuellsten Nachrichten und Talkshows sendet, und ein Bürgerbüro, das den Bürgerinnen und Bürgern bei allen Problemen hilft. Alles ganz normal. Eigentlich.

 

Nur etwas ist anders. Die Bürgermeisterin/Der Bürgermeister hier ist die/der Jüngste Deutschlands. Sommerstadt heißt diese Stadt, von Kindern und für Kinder gemacht. Alle zwei Jahre in den Sommerferien öffnet sie ihre Pforten für Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Und alle zwei Jahre beweisen die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, dass sie können, was die Großen ihnen vormachen: sich selbst regieren. In dieser bunten Stadt im Kleinformat gibt es eine eigene Währung, die „Sonnen-Scheine“, es gibt ein Rathaus, ein Arbeitsamt, eine Polizei, den Bauhof, eine Zimmerei, eine Bäckerei und natürlich auch ein Neubaugebiet, wo Kinder aus Holz eigene Häuser bauen, um dann vielleicht sogar ein eigenes Gewerbe aufmachen zu können. Die 6 und 7-jährigen Bürgerinnen und Bürger gehen in die Berufsschule und werden langsam an die Arbeitswelt herangeführt.

 

In „Sommerstadt“ verwalten Kinder sich selbst: Mit eigenem Geld, Arbeitsamt und Rathaus.  Einmal pro Woche machen sie, was die Großen auf Bundesebene nur alle vier Jahre machen: Sie gehen wählen. Denn in jeder der beiden Wochen gibt es, nach einem heißen Wahlkampf, Bürgermeisterwahlen.

 

In Sommerstadt wird nach festen Regeln gespielt – und das Erstaunliche ist: Sie werden eingehalten. Wer Einwohner werden will, muss sich im Bürgerbüro einen Ausweis abholen. Wer wählen oder ein Gewerbe aufmachen will, muss erst mal „Vollbürger“ werden, d.h. mindestens vier Stunden arbeiten und sich gesetzlich nichts zu Schulde kommen lassen. 5 Sonnenscheine bekommt man für eine Stunde Arbeit und davon geht 1 Sonnenschein als Steuer ab.

In der Kinderspielstadt erfahren die Kinder im kleinen Rahmen die komplexen Zusammenhänge der Gesellschaft. Es kommt zu interessanten Gesprächen zu Hause, wenn das Kind seine Mutter abends fragt, welche Arbeit die Mutter sich denn morgen aussucht und bei der Antwort feststellen muss, dass die Mutter immer den gleichen Job macht. Was in dem für die Mutter frustrierenden Satz ihres Kindes endet: „Das ist aber blöd!“

Die Kinder der Sommerstadt suchen sich eine Arbeit auf dem Arbeitsamt aus und gehen mit der entsprechenden Arbeitskarte in den ausgesuchten Betrieb. Hier erklärt ihnen der Betriebsanleiter die Aufgaben, die zu bewältigen sind und welche Aufträge von anderen Betrieben vorliegen. Das Kind muss mindestens eine Stunde arbeiten, um Anrecht auf Lohn zu haben. Es kann aber auch nach mehreren Stunden oder am Ende des Tages den berühmten Satz „Ich kündige.“ aussprechen und erhält dann einen Lohnzettel, der in der Bank eingelöst werden muss.

 

Den Kindern wird in der Sommerstadt ziemlich schnell klar, wie es „später“ läuft: Als Bürger sollte man sich eine Arbeit suchen, Geld verdienen, Steuern zahlen, zur Wahl gehen. Fortgeschrittene machen selbst Politik. Im Spiel können sie nachahmen und reale Erlebnisse verarbeiten. Kinderspielstädte sind jedoch weit mehr als nur ein Spiel. Die Sommerstadt ist vielmehr ein Ort, an dem Kinder sich ausprobieren können. Sie werden ernst genommen und nehmen sich selber ernst. Ihre Probleme sind „echt“ und sie versuchen diese selbst zu lösen. Sie probieren aus, welche Lösung am besten dabei hilft.

Der Rahmen, den die Sommerstadt bietet, ist aus organisatorischen Gründen notwendig. Den Inhalt des Rahmens zu gestalten, ist den Kindern vorbehalten.

 

Erwachsene dürfen sich nur mit einem Visum und in Begleitung eines Stadtführers/einer Stadtführerin, natürlich auch ein Kind, das Spielgelände zeigen lassen. Mitspielen dürfen sie nicht, obwohl das viele Eltern neidisch bemängeln. Ihnen bleiben aber außer der Stadtführung auch die Eröffnung und das große Stadtfest zum Abschluss. Stadtführungen werden über das Bürgerbüro organisiert und finden vom 23. August bis zum 31. August täglich, außer am Wochenende, um 10.00 und um 13.00 Uhr statt.

 

Die erste deutsche Kinderspielstadt, „Mini-München“ wurde vor 25 Jahren vom Verein „Kultur & Spielraum“ in München erschaffen. Seitdem breitet sich die Idee der Kinderspielstadt aus. Die erste Hochheimer Kinderspielstadt entstand im Jahre 2003, findet alle 2 Jahre im Wechsel mit dem normalen Ferienspielkonzept statt und wird in diesem Jahr zum 10. Mal stattfinden. Die Sommerstadt wird organisiert durch das Amt 4.1 Kinder und Jugend der Stadt Hochheim am Main. 

  

Bis bald in Sommerstadt. Immer eine Reise wert!




Sommerstadt ist die Kinderspielstadt der Stadt Hochheim am Main | 2003- 2023

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